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Einst liebte ein Burgfräulein einen Knappen, der nichts weiter besaß, als das Wams, das er auf dem Leib trug. Ihr Vater hatte natürlich etwas dagegen, daß die beiden den Bund der Ehe schlossen und so wählte er für seine Tochter einen Raubritter, der unermeßliche Reichtümer besaß. Als dies die Prinzessin erfuhr, rief sie ihren Liebsten herbei und sie beschlossen, zu fliehen.

Als der Mond über den Zinnen der Burg aufstieg, jagten sie in das schützende Dunkel der Nacht hinein in den tiefen Wald, über Stock und Stein. Bald schon hörten sie die Verfolger hinter sich, doch der Knappe fand immer wieder einen Weg im Dickicht. Ihr Vorsprung baute sich langsam aus und schon bald waren die Verfolger abgeschüttelt.

Wie sie nun so ritten, Stund um Stund, da fielen ihnen die Äuglein vor Müdigkeit zu und die Prinzessin bat ihren Schatz, eine Rast einzulegen und ein wenig die Augen zu schließen. Gesagt, getan. Er bettete seine Liebste in weiches Moos und wollte ihr wegen ihres aufkommenden Durstes noch etwas Wasser holen. Er breitete seinen Mantel schützend über sie und flüsterte ihr zu: "Schlaf wohl, ich werde eine Quelle suchen. In einer Stunde jedoch muß ich dich wecken, sonst werden wir eines qualvollen Todes durch unsere Verfolger sterben."
verliebtes Paar
Wie er durch die Lichtung schritt, gewahrte er eine Quelle, neben der eine wunderschöne Frau saß. Sie winkte ihn zu sich und sagte: "Wenn du das Wasser meiner Quelle begehrst, so mußt du mich küssen!".

Der Bursche lachte und erzählte ihr von seiner Liebsten, beugte sich hinab, um Wasser zu schöpfen. Wie er aufblickte, sah er in die strahlendsten Augen, die er jemals zuvor gesehn hatte. Das Wasser entglitt seinen Händen und er küßte die Fremde voller Wonne.

Als er nun über eine Stunde schon weg war, erwachte das Mädchen und begann, laut seinen Namen rufend, ihn zu suchen. Sie fand ihn neben der Quelle, in den Armen einer andern und brach wie vom Blitz getroffen tod zusammen. Der Knappe jedoch eilte zu ihr, vergebens, und rammte sich sein Schwert in die Brust.

Die Nixe aber verschwand lachend wieder in der Quelle und ward fortan nicht mehr gesehn. Als die Verfolger die Quelle erreichten und das Unglück sahen, ließ der Burgherr an ihrer Stelle einen Brunne errichten, der heute noch als "Untreuebrunnen" weit bekannt ist.