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Die weißen Tauben Taube
Es gab einmal eine Zeit, da herrschten auch im Harz Galgen und Richtschwert über Recht und Unrecht. Selbst harmlose Sünder starben eines qualvollen Todes, wenn nur die Beschuldigung gewichtig genug war.
So gab es einst in Osterode eine Magd, die angeklagt wurde, einen Ring ihres Herrn entwendet zu haben. Sie jedoch beteuerte unter Tränen ihre Unschuld. Doch sowas war allseits bekannt - ging es um Leben und Tod, da besann sich ein jeder der Tugenden. Das Gericht sah daher keinen Grund, warum es der Magd und nicht ihrem Herrn glauben sollte. Alsbald ward ihr Tod durch den Strang beschlossen.
Taube
Wie sie in einem hölzernen Karren zur Richtstätte gefahren wurde, da unterbrach sie des Pastors Gebet und beteuerte ihm ihre Unschuld. Als Zeichen der Wahrheit sollten zwei Tauben nach der Hinrichtung in die Gemächer des Pastors fliegen.
Der Pastor konnte ihre Hinrichtung nicht verhindern und so starb das Mädchen qualvoll. Bald danach flogen zwei weiße Tauben in das Haus des Pastors. Er suchte die Obrigkeit auf und forderte den Abbau des Galgens. Und so ward fortan nie wieder eine Anklage so leichtfertig geglaubt, die nur ein Herr vorzutragen gedachte.