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Vor vielen hundert Jahren regierte der König Ilsung im Harz, dessen Schloß auf einem Felsen in der Nähe des Brockens stand. Seine Tochter Ilse war wunderschön und von solchem Anmut, daß jährlich viele Freier kamen, um sie zur Frau zu nehmen. Doch keiner von ihnen konnte Ilses Herz erobern, weil sie sich nicht von ihrem Vater und dem schönen Tal trennen wollte und so mußten die Wagemutigen unverrichteter Dinge wieder heimkehren.
In der Nähe der Burg, dem Ilsestein, lebte zu jener Zeit auch eine alte Hexe mit ihrer Tochter. Diese war von solcher Boshaftigkeit durchtrieben, daß selbst ihre Mutter sich zuweilen vor ihr fürchtete. So war es auch kein Wunder, daß niemand um ihre Hand anhielt.
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Eines Tages verirrte sich ein junger Ritter in den urwüchsigen Wald, als er, wie alle anderen, um die Hand der schönen Prinzessin anhalten wollte. Da es schon dunkelte, klopfte er an die alte Hexenhütte und bat um Obdach.
"Den will ich haben und sonst keinen!" - zupfte das Hexenmädchen ihre Mutter am Rock. Als der Ritter eingeschlafen war, nahm die Alte ein Fläschchen mit einer dunklen Flüssigkeit zur Hand und treufelte ein paar Tropfen auf die Augenlider des Ritters. Ihre Tochter jedoch mußte die ganze Nacht seinen Schlaf bewachen.
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Als er nun am Morgen in der Hütte erwachte, erblickte er ein wunderschönes Mädchen. "Schöner kann die Prinzessin auch nicht sein. Soll ich nun zu ihr reiten und mich gar verhöhnen lassen? Wenn dieses Mädchen hier meine Braut werden will, dann solls geschehn." Bald schon ward die Hochzeit anberaumt.
Einige Tage vor dem Fest wanderte der Prinz alleine durch den Wald und kam an den Fluß Ilse. Er warf sogleich all seine Kleider ab und sprang in das glasklare Wasser. Wie die Tropfen seine Augen berührten, da wusch sich die Zauberflüssigkeit von selbst ab und er erkannte, welchem Schwindel er aufgesessen war. Da wurde er zornig und wanderte den Fluß hinauf, bis er geradewegs die Burg erreichte. Der König nahm ihn freundlich auf und Ilse verliebte sich Hals über Kopf in ihn. Schon bald heirateten sie.
Als dies die Hexen erfuhren, verwünschten sie den König mitsamt seiner Tochter und berieten über ihre Rache. "Du hast ihn nicht bekommen und sie soll ihn auch nicht haben" - sprach die Hexe und verbündete sich mit dem Teufel. In der folgenden Vollmondnacht erklang ein Tosen, wie es die Welt nie zuvor gehört hatte. Der Berg brach auseinander und die Burg stürzte in den Abgrund. Alle starben, bis auf die Prinzessin, die noch heute dem Flußlauf folgt und vor lauter Sehnsucht den Namen ihres Liebsten ruft.
Noch heute kann man sie manchmal rufen hören, doch Obacht! Wenn ihr sie seht, dann hütet euch davor, sie zu stören. Sonst verwandelt sie euch in dicke Gröten und ihr müßt, wie so manch anderer, plump auf einem Stein im Flüsschen sitzen. Laßt ihr sie aber in Ruhe, dann kann es geschehen, daß bald ein heimlicher Wunsch in Erfüllung geht.
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