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Jäger
Der wilde Jäger
Einst fegte ein Sturm über den Harz hinweg, daß man sich nur so fürchtete und nicht einmal seinen Hund vor die Tür setzte. Die Kronen der Bäume knickten wie Streichhölzer um und alles schien zu toben und zu heulen.

Zu jener Zeit lebte auch ein Mann in der Gegend der Harzburg. Er wünschte sich nichts sehnlicher, als den ganzen Tag durch den Wald zu streifen, immer auf der Suche nach gefährlichen Tieren. In jener Nacht beschlich ihn ein Traum, in dem er den Tod durch einen mächtigen Eber fand.

Als der Morgen anbrach, entschloß er sich, dem Schicksal ein Schnäppchen zu schlagen. Und so berichtete er den Kameraden von seinem Traume. Nur besorgte Gesichter blickten ihn an, "er solle doch lieber zu Hause bleiben!" und schon zog der Tross hinaus zur Jagd.

Die Stunden vergingen so zäh wie noch nie. Endlich kam die Schar mit lautem Gejohle herbei, in ihrer Mitte einen riesigen Eber. Seine Hauer schienen wie Dolche die Luft messerscharf zu zerschneiden und der Jäger fühlte nur Triumph. Als er sich dem Tier näherte, gab er einen winzigen Moment unacht und schon ritzte ihn der Eber mit seinen Hauern die Wade auf.

Von einem Tag auf den anderen entzündete sich der Riß und begann zu eitern. Kein Mittelchen wollte helfen und so beschloß der Jäger, nach Braunschweig zu reiten, um den Leibarzt des Herzogs aufzusuchen. Voll fiebernder Phantasien ritt er in ein offenes Tal, seine Muskeln erschlafften und nur ein Gedanke brannte wie Feuer unter seiner Haut. "Jagen will ich, jagen ..." - und schon vergab er seinen letzten Atemzug.

Seine Kumpane lebten fortan mit mehr Mut in den Knochen und ergriffen jedes wilde Raubtier, das sich ihnen bot.

Durch List kann man seinem Schicksal nicht entkommen.