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Die Hohneklippen
Frau Holle

Einst machten sich drei Mädchen aus Wernigerode auf den Weg zum Brocken, um dort am Hexenstein Blumen niederzulegen. Einem alten Brauch nach sollten sie dann einen Mann abbekommen ...

Alle drei waren sie wunderschön und von solcher Anmut, daß kein Jüngling es wagte, um ihre Hand anzuhalten. Man munkelte, daß einjede auf einen reichen Prinzen wartete. So manch armer Bursche, der es dennoch wagte, um sie zu frein, wurde mit wüsten Beschimpfungen vom Hof gejagt.

Nachdem sie ihre Blumen niedergelegt hatten und im Inbegriff des Abstieges von dem hohen Berge waren, gewahrten sie eine alte Frau, die ihnen zurief: "Was für schöne Dirnen, ich glaub, ich hätt die passenden Männer für sie." - für die eine einen Jäger, für die andre einen Holzfäller und für die Dritte einen Schreiberlehrling.

Die Mädchen sahen sich an, tuschelten und kicherten. Die eine wollt den Jäger nicht, die andre nicht den Holzfäller und die Dritte schon gar nicht den Schreiberling. "Was sollen wir mit solchen Burschen? Auf Daunen wollen wir schlafen und nicht auf Stroh! Da wolln wir lieber keinen Mann!"

Die drei Mädels

Da bäumte sich das alte Mütterlein auf und ward riesig groß. Frau Holle wars und sprach: "Hab ichs mir doch gedacht, daß eure Herzen hart geworden sind. Nur Stolz verblendet eure Augen. Wohlan, wenn euch solche Burschen nichts Wert sind, dann sollt ihr niemals den Brautkranz werfen!" - und verzauberte sie in drei Felsen.

Wie sich dies Kund tat in dem kleinen Städtchen Wernigerode, da boten ihre Väter jedem Burschen Reichtum in Hülle und Fülle, der ihre Töchter erlösen würde.

Doch niemand fand sich, was wollte man auch schon mit einer Frau anfangen, die nur Geld besaß und keine Liebe. Und so stehn sie noch heute als Klippen, völlig schroff und gar mächtig anzuschaun, in der Nähe des Brockens und künden von Hochmut und Eitelkeit.