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Die geschwätzige Frau
Es gab einmal ein altes Ehepaar in Vienenburg, das ziemlich oft Streitigkeiten miteinander ausfocht, weil die Frau ihrem Gatten gegenüber immer das letzte Wort haben mußte.

Nun kam es eines lieben Tages dazu, daß der Mann nach einer solchen Auseinandersetzung die Nase gestrichen voll hatte, weil seine Frau ihn höhnisch auslachte. Daraufhin warf er ihr - "Ich wünschte, Dir würde mal jemand das Maul stopfen!" - an den Kopf. Völlig verunsichert suchte diese nun ihre Schwester in Lochtum auf und heulte sich bei ihr aus.

die Bestie
Als die Nacht hereinbrach, machte sie sich auf den Nachhauseweg. Dabei mußte sie den Schamlahbach überqueren, der wegen eines riesigen Hundes weit bekannt war, der sein Unwesen an dessen Ufern trieb. Nur wenige hatten ihn bisher erblickt und man munkelte, daß er kein gewöhnliches sterbliches Wesen sei und aus dem Reich des Jenseits stamme.
Und promt erwischte es an jenem Abend unsere arme Frau. Die Bestie schlich sich von hinten an sie heran und sprang mit einem kraftvollen Satz auf ihren Rücken, wo sie sich festkrallte. Die Frau schrie auf und versuchte den Hund abzuschütteln, worauf er sich nur noch fester in ihr Fleisch krallte.

Schon begann sie um Hilfe rufend zu rennen, ächzent und röcheln schleppte sie sich schließlich nach Hause. "Heim, nichts wie heim ..." - dachte sie nur.

Die ersten Lichter von Vienenburg erschienen in ihrem Blickfeld, nur noch ein paar Schritte, dann war sie am Teich des kleinen Ortes. Die Bestie lockerte den Griff und sprang ab, während die Frau mit letzter Kraft ins Wasser sprang. Völlig außer Atem kam sie wieder an die Oberfläche, spukte Wasser und kroch aus dem Teich.

Zu Hause wartete schon ihr Mann und empfing sie an der Tür mit den Worten: "Hast Du Dich abgekühlt?" Er wartete auf das Stakkato, das gewöhnlich nun einsetzte, doch nichts geschah. Seine Frau war vom Schreien heiser geworden und diesmal behielt er das letzte Wort.