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Die Weihnachtsblumen

Einst lebte im Harz ein Herr auf einer Burg, der bei seinen Untertanen nur Zittern und Angst hervorrief. Die Kinder flohen vor ihm und die Bauern haßten ihn. Kam er in das Dorf, dann mußte man ihm auftischen, was immer er wollte. Gab es in einem Hause nichts zu essen, dann nahm er die Kinder mit aufs Schloß, prügelte und schund sie und prahlte noch mit seiner Wohltätigkeit und Milde.

Eines Tages, es war kurz vor Weihnachten, ritt er mal wieder von seiner Burg hinab ins Dorf. Er hielt direkt aiuf das Haus des alten Schäfers zu, der eine bildschöne Tochter hatte. Als er in die Stube trat, befahl er ein ausgiebiges Mahl aufzutischen, doch der Schäfer konnte nur Kartoffeln bieten. "So gebe er seine Tochter!" - doch der alte Mann wehrte sich mit allem, was er greifen konnte. Der Herr aber schlug so auf ihn ein, daß er sich nicht mehr rührte.

Da packte er das schüchterne Mädchen und wollt es mit zu sich auf die Burg nehmen. Sie aber rief kühl: "Was soll mir die Burg. Ihr habt mir den Vater erschlagen. Geht, ich will ihn begraben und in drei Tagen zu Euren Diensten sein."

Der Herr wandte sich um und ging. Kaum war er fort, da sankt das Mädchen vor Erschöpfung über ihrem Vater zusammmen und weinte fürchterlich. Am nächsten Tag begrub sie ihn und ging am dritten Tag erhobenen Hauptes zur Burg.

Ein Diener führte sie durch Gänge und Säle zu dem Burgherrn, der sich majestätisch auf einem Diwan räkelte. "Ich habe dich erwartet." Stolzen Hauptes ging sie auf ihn zu und erwiederte : "Ihr habt mir den Vater genommen, nichts könnt ihr mir nun mehr tun."

Der Herr fand Respekt vor dem Mut des Mädchens und sagte: "Geh hinaus in die Nacht und bring mir Blumen. Findest du keine, so sollst du mir gefügig sein oder ich lasse das Dorf niederbrennen. Bringst du`s fertig, so werd ich dir die Freiheit schenken." Und das Mädchen ging, wollt sie doch frei sein.

Zitternd stand sie in dem meterhohen Schnee, wo sollt sie nur Blumen finden? Sie eilte durch das Dorf zum Grab des Vaters und begann bitterlich zu weinen. Die Tränen suchten sich den Weg ins Erdreich und ward wie ein Same, sie dehnten und öffneten sich. Als die Sonne am nächsten Morgen blas über das Grab stieg, da standen da eine Handvoll weißer Blumen.

Vor lauter Freude eilte sie zur Burg, wo ihr die Diener auch gleich öffneten und brachte dem Herrn die frischen Blumen. Wie sein Gesicht da voll Röte anschwoll - "Du stehst mit den Hexen im Bunde!". Sie erwiederte nur: "Der Boden hat sie mir geschenkt, der die guten Menschen nicht verläßt und der unser ist, oh Herr." Dieser aber mußte sie gehen lassen, hatte er doch sein Wort gegeben.

Von nun an wurde in dem kleinen Dorfe Weihnachten ausgiebig gefeiert, brachte es doch die Hoffnung auf ein schöneres Leben. In vielen Fenstern kann man seither die weißen Weihnachtsblumen sehen, die den Schutz vor Bösem und Häßlichem bieten und den Frieden der Nacht wahren.