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Geldsack
Das Ungeheuer vom Teufelsberg
Einst lebte im Harz ein reicher Mann, der seine Knechte unterdrückte und sie mit der Knute zur Arbeit zwang.
Sie zitterten, wenn sie seine Stimme hörten und waren froh, wenn sie ihn nicht sahen. Nur er lebte in allem Überfluß, während alle anderen hungerten und darbten. Er wollte immerfort nur Geld, Geld, Geld ..., das er in einer Kammer Säckeweise versteckte.

Eines Tages bemerkte er, daß er nicht mehr lange leben würde und legte sich in seinem Bett in die Kammer. Er nahm seine Peitsche, damit ihm nicht einmal bei seinem letzten Atemzug jemand berauben konnte.

Nun wohnte in seinem Dorfe auch ein Bauer, dessen Felder eher steinig waren, als das sie ihm etwas einbrachten, Doch er schuftete und mühte sich. Als er in den Stall kam, da lag da sein Pferd am Boden und wollt nicht mehr aufstehn. Es hatte sich die Vorderläufe gebrochen. Da lief der Bauer zu seinem Herrn, um ihn zu bitten, ihm ein Pferd zu leihen, damit er wieder auf dem Feld arbeiten könne. Doch dieser lies ihn von seinen Dienern vom Hof jagen. Die Knechte traten herbei und alle ballten die Fäuste. "Mag den Alten der Teufel holen."

Am selben Abend starb der Herr. Als man am nächsten Morgen zu ihm kam, da war er mitsamt seinen Geldsäcken verschwunden. Alle lachten und flüsterten: "Nun hat ihn der Teufel geholt." Dann machten sie sich wieder an die Arbeit, die von nun an leichter von der Hand ging.

Der Bauer aber ging zurück zu seinem Pferd und pflegte es, bis es wieder gesund war. Alsbald spann er es vor seinen Karren und fuhr aufs Feld hinaus. Am Wegrand sah er die Knute, mit der ihn sein Herr geschlagen hatte. Er hob sie auf und steckte sie sich mit einem Lächeln in den Stiefelschacht.

Er fuhr weiter und plötzlich blieb der Gaul vor dem Felsen auf dem Feld stehen. Im gleichen Augenblick barst dieser auseinander und ein weites dunkles Loch gähnte vor dem Bauern.

Voll Neugier getrieben, stieg er in tiefe Höhle hinab und sah am Ende ein flackerndes Licht. Beim Näherkommen gewahrte er seinen Herrn, der wie irre um seine Geldsäcke rannte und mit Gold nur so um sich warf. "Ich werd dir helfen" dacht der Bauer, zog die Knute aus dem Stiefel und stob in Richtung seines Herrn. "Wir hatten dich zum Teufel geschickt, also begeb dich auch dorthin!" - und mit einem Hieb traf er den Herrn am Kopf.

Da wurden beide wie von Geisterhand emporgehoben, wilde Blitze durchzuckten den Himmel und der Bauer landete neben seinem Pferd. Sein Herr aber wirbelte durch die Lüfte wieder hinab in die Tiefe, die sich kurz darauf für immer schloss. Als der Bauer stirnrunzelnd wieder auf seinen Wagen steigen wollte, da lagen da die ganzen Geldsäcke.

Da lachte er, warf seinen Hut in die Luft und fuhr so schnell wie nur möglich ins Dorf zurück. Dort liefen alle herbei und das Geld wurde brüderlich verteilt. Von nun an brauchte niemand mehr zu hungern und das Leid hatte ein Ende.

Mit der Zeit entwickelte sich das kleine Dorf zu einem ansehnlichen Städtchen, der Herr jedoch wurde niemals mehr gesehn. Nur manchmal kann man aus dem Felsen ein jämmerliches Geschrei hören. Dann flüstern sich die Menschen zu: "Jetzt wird er vom Teufel geschlagen." Aber niemand verspürt Mitleid, soll er doch seine gerechte Strafe bekommen.