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Die Seelöcher
Es waren einmal zwei Knaben, die hüteten die Pferde ihrer Herren auf einer der zahlreichen Wiesen des Harzes. Wenn sie nicht arbeiteten, dann saßen sie beieinander und schnitzten sich kleine Pfeifchen, warfen mit Steinchen nach den umherstehenden Bäumen und genossen das schöne Wetter. Meistens suchten sie in der Mittagshitze der prall scheinenden Sonne ein wenig Schatten unter einem alten Eichbaum, aßen gemeinsam ihr Brot und tranken frisches Quellwasser.

Eines schönen Tages saßen sie wieder so beisammen, als der eine anstatt des schwarzen Brotes einen weißen Kuchen auspackte. Er habe Geburtstag und sein Onkel hätte ein wenig Mehl gebracht, damit er dies köstlich Gebäck anrichten könnt. Er biß herzhaft hinein und man sah, daß es ihm vortrefflich mundete. Da bat der andere um ein Stückchen. Wie er es abbrach und weiter reichen wollt, da kam ein schwarzer Rabe, packte den Kuchen und verschwand in den Wipfeln der Bäume.

"Mein Kuchen! Mein Kuchen!" - schrie der Knabe, doch weg war er. So bat er den Freund um ein neues Stück, doch dieser hatte den ganzen Kuchen schon aufgegessen.

Da wurde der Knabe zornig, ballte die Fäuste in Richtung des davon fliegenden Vogels. Er holte seine Peitsche und hieb auf sein schwarzes Brot ein. "Ich will den Kuchen!"

Enten
Der andere sah ihm eine Weile zu und rief schließlich: "Hör auf, man muß das Brot achten." Der andere aber schlug das Brot so klein, daß es die Ameisen wegtrugen.

Da öffnete sich plötzlich der Boden, ein gewaltiges Donnern erbebte und die Tannen begannen zu zittern. "Schnell zu den Pferden!" - der eine schwang sich in den Sattel und jagte ins Dorf zurück. Der andere aber versuchte vergebens, seinen Sattel auf den Rücken des Pferdes zu schwingen. Immer unheimlicher wurde es und der Junge bekam es mit der Angst.

Als er endlich im Sattel saß, da stand das Gewitter direkt über ihm. Er wollte die Peitsche aus dem Gürtel ziehen, doch diese lag noch an der Stelle, wo er das Brot zerschlagen hatte. Und schon stob der Sturm über Mensch und Tier, hob den Jungen aus dem Sattel und schleuderte ihn in ein Tal. Das Pferd jedoch wurde in ein anderes Tal geschleudert. Dann ward es plötzlich wieder still und ein schalendes Gelächter hallte über die Bergwelt.

Als man sich auf die Suche nach dem Knaben begab, fand man weder ihn noch sein Pferd, nicht einmal eine Spur von beiden. Einige Jahre später wanderte der andere Knabe durch die Täler, da erblickte er etwas Helles im Dunkel des Waldes. Und wie er näher kam, da sah er zwei kreisrunde Seen, die dicht beieinander lagen. Kein menschliches Auge hatte sie jemals zuvor gesehn.
Der eine war so klar wie das Auge eines Menschen und der andere ähnelte einem riesigen Hufabdruck. Der Knabe lief so schnell, wie ihn seine Beine nur tragen konnten, ins Dorf und erzählte allen die Geschichte. Da sagten die Menschen zueinander: "In dem einen schläft der Knabe und in dem anderen sein Pferd. Warum hat er auch das Brot geschlagen."

Fortan fürchtete sich jeder vor den Tälern, den sie schienen nicht geheuer. Wenn Du sie jedoch erblickst, dann setz dich eine Weile nieder und denk an diese merkwürdige Geschichte.