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Es gab einmal eine Mühle im Harz, bei dessen Müller auch ein starkes Mädchen ihren Dienst tat. Eines Abends klopfte ein Mann an ihre Tür und bat um ein Lager, er "sei müde und weit gereist". Doch der Müller lehnte ab, war er doch zu einem Fest geladen und wollt das Mädel nicht alleine mit dem groben Kerl in seiner Mühle lassen. So schickte er ihn den Weg zurück ins nächste Dorf. Der Fremde willigte ein, lies aber seinen großen Sack, den er des nächsten Tages holen wollt, im Stall liegen.
Als das Mädchen im Stall ihre Arbeit tun wollte, bemerkte sie, daß sich der Sack bewegte. Sie lief geschwind ins Haus, holte die Flinte des Müllers und drückte vor lauter Angst ab. Ein Aufschrei erklang. Als sie den Sack öffnete, gewahrte sie einen Mann, der mit dem Tode rang. Mit seinem letzten Atemzug bekannte er, daß er einer von zwölf Brüdern sei, die allesamt das Räuberhandwerk betrieben. Zehn davon wollten noch in der selben Nacht in der Mühle einbrechen. Der elfte und jüngste, sei aber wohlgehütet bei ihrer alten Mutter in der Räuberhöhle. Er selbst sollt die Lucke zum Wasser hin von innen öffnen und nach den andern pfeiffen.
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Nun überlegte das Mädchen, wie man alle auf einen Streich fangen könnt. Sie nahm das Messer und blies in die Pfeife. Und schon kam auch schon der erste Räuber und steckte seinen Kopf durch die Lucke. Geschwind packte das Mädchen den Kopf bei den Haaren, legte ihm eine Schnur um den Hals, fesselte ihn und blies erneut in die Pfeife. Auf diese Weise fesselte sie einen nach dem anderen. Als der Müller nach Hause kam, fand er sie völlig erschöpft. Fortan ward sie die Retterin der Mühle und weithin gepriesen. Alsbald kamen jede Menge Burschen, um um ihre Hand anzuhalten. Sie jedoch wollte nur den, der nach ihrer Pfeife tanzen würde.
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So kam eines Tages auch ein fein gekleideter Mann des Wegs. Weil sie so schön war, hielt auch er um das Mädchen an und beschenkte sie reichlich. Er fuhr mit einer Kutsche vor und lud sie auf seine Burg ein. Da sie sehr neugierig war, willigte sie ein und schon ging die rasante Fahrt über Stock und Stein los, entgegen der Unwissenheit.
Doch was war das? Die Kutsche hielt mitten im Wald, der Fremde zog das Mädchen heraus und hinein in seine Räuberhöhle, wo die Mutter der Kerle schon voller Hass wartete. Der Fremde war niemand anders als der Jüngste der Räuberbande und hatte einst geschworen, sich an ihr zu rächen.
Das Mädchen begann angesichts ihres Todes zu weinen und bat den Räuber um ihr Leben. Mutter und Sohn beschlossen, Nachsicht walten zu lassen, wenn sie ihn heiraten würde und bald darauf erklangen die Glocken.
Eines Nachts aber schlich sie sich hinaus und rannte zum Müller zurück. Dieser führte die Häscher zur Höhle und sie nahmen den Räuber und seine Mutter gefangen. Auch sie sollten ihrer gerechten Strafe nicht entgehen. Das Mädchen aber erhielt alle Schätze, die man in der Räuberhöhle fand.
So war sie nun steinreich, doch wollt sich kein Freier mehr für sie finden. Und so lebte sie bis ans Ende ihrer Tage weit bekannt und reich, einsam - nur mit ihrer Pfeife.
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