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Der verzauberte Esel
Es war einmal in Benneckenstein ... Da lebte ein junger Bursche, der über alles in ein wunderschönes Mädel verliebt war. Ihre Hochzeit ward schon lange beschlossen und das Brautkleid lag fein säuberlich gefaltet in der Truhe.

Am Abend vor der Feier sprach das Mädchen zu dem Burschen: "Heute Abend kannst Du nicht zu mir kommen, wir wollen einmal früh schlafen und mit dem Morgentaue weck ich dich." Als die Dämmerung kam, schlich der Bub, von Neugier getrieben und mit Kusseslust, zu der Hütte seiner Liebsten. Was er sah, lies ihm den Atem gefrieren.

Seine Liebste trank mitsamt der Mutter aus einem Glase und ward alsbald verschwunden. Der Bursche wollte seinen Augen nicht trauen, trat nach einer Weile in die Stube und nahm auch einen Schluck aus dem Glase.

Esel
Heije, schon flog er durch die Lüfte, gen Blocksberg, wo sich viele Hexen mit dem Teufel trafen. In ihrer Mitte konnte er seine Braut erkennen. Der Bursche verbarg sich hinter einem großen Stein und lauschte der Versammlung. "Wart nur, wenn du nach Hause kommst, ich will dir schon das Fell gerben!" - dacht er bei sich.
Kurz nach Mitternacht hob der Teufel ein Glas aus dem Feuer und alle Hexen tranken daraus. Und fort waren sie. Nur der Bursche mußte den beschwehrlichen Abstieg vom Brocken in dunkler Finsternis wagen.

Gegen Mittag erreichte er todmüde das Haus seiner Begehrten und schalt sie kräftig wegen ihres schändlichen Treibens aus. Sie jedoch ward bald zornig, weil er sie belauscht hatte und entgegnete: "Das war mein letztes Mal, denn wenn wir heiraten, verliere ich meine Zauberkraft. Ich liebe dich von Herzen, doch das du mir nachspionierst, behagt mir nicht ... zur Strafe verwandle ich dich in einen Esel." und plopp - schon stand das Grautier vor ihr.

Als sie sah, was geschehen war, begann sie bitterlich zu weinen. Besaß sie doch nicht die Zauberkraft, um alles wieder rückgängig zu machen. Der Esel trottete traurig in sein Heim, legte sich auf den Boden und begann zu weinen.
Schnecke
Als es dunkelte, kam das Mädel herein und flüsterte: "Ich weiß, wie du erlöst werden kannst! Stell dich morgen neben die Kirchentür und warte, bis der Küster das Taufwasser ausschüttet. Wenige Tropfen reichen, um dir deine alte Gestalt wiederzugeben. Ich jedoch werde derweil eilen, und alles für unsere Hochzeit richten."

Gesagt, getan, er stellte sich am nächsten Morgen vor die Kirche und wartete. Der Küster gab nicht Acht und verschüttete das Wasser auf dem Rücken des Esels. Da war der Esel verschwunden, nur der Bursch stand vor ihm und bedankte sich herzlichst. "Nun bin ich nochmal getauft, diesmal aber richtig."

Bald wurde Hochzeit gefeiert und schon war es vorbei mit der Hexerei. Beide lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage und kein Geheimnis konnte von nun an ihre Liebe brechen.