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Spinne
Der Erdrauch
Einst lebte ein junger hübscher Mann in der Nähe des Brockens, der überall nur "der Hexenmeister" genannt wurde. Die Leute nannten ihn so, weil er seltsame Salben herstellte, die so manch Wundersames verbrachten.
Oft schon hatte man versucht, ihn wegen dieser Hexenkräfte aus dem Dorf zu jagen, bisher aber ohne Erfolg, da allen der Mut fehlte. Im Gegenteil, war einer von ihnen krank, dann schickte man sein Weib zu ihm, damit sie um eine seiner Salben bat.

Niemand wußte, daß er das Kind armer Eltern war, die kurz nach seiner Geburt gestorben waren. Er wuchs auf den Straßen auf, wo ihn einst Hexen auflasen und ihm das Einmaleins der Hexenkunst beibrachten. Wie oft lag er des Nachts in seinem Bett und träumte davon, jemanden zu haben, mit dem er seine Geheimnisse teilen konnte.

Im Dorfe lebte auch ein Mädchen, das sich alleine um ihren kleineren Bruder kümmerte, waren doch auch ihre Eltern schon lange gestorben. Die alten Weiber des Dorfes bestürmten sie mit Worten, anstatt ihr zu helfen: "Nimm das Kind wohl in acht. Wenn die Hexen es sehen, werden sie es dir wegnehmen. Sie essen alle Kinder auf, die keine Eltern mehr haben!"

An einem schönen Frühlingstag nahm sie den Kleinen und zusammen gingen sie in den Wald, um Blumen zu pflücken. Da sie plötzlich müde wurde, schlief sie an einem Baum gelehnt ein. Als sie erwachte, war der Kleine fort. Laut rief sie seinen Namen, doch er war spurlos verschwunden. Da ward ihr sehr bang ums Herz. Sie lief nach Hause und suchte ihren Bruder, doch auch hier war er nicht. In ihrer Verzweiflung lief sie durchs ganze Dorf, doch nur im Haus des Hexenmeisters brannte noch Licht.

Das Mädchen stand lange vor der Tür, bevor es den Mut fand, zu klopfen. Als der Hexenmeister das schöne Mädchen sah, wars um ihn geschehn. Er versprach ihr bei ihrer Suche zu helfen und den Kleinen aus den Klauen der Hexen zu befreien, wenn sie zusammen mit ihm das Dorf verlassen würde.
Eichhörnchen
Da das Mädchen keinen anderen Ausweg sah und auch der Hexenmeister ihr Herz rührte, willigte sie ein. Und so machten sie sich auf den Weg.

Im tiefen Wald am Haus der Hexen angelangt, hörten sie von drinnen das zänkische Geschrei der alten Weiber, die sich darum stritten, wer den Kleinen verspeisen dürfte. Der Kleine aber stand voller Zittern vor ihnen und weinte.

Der Hexenmeister nahm aus seiner Tasche ein Büschel Blumen und zündete es an. Beißender und stinkender Rauch erfüllte das Zimmer und die Hexen begannen, wild um sich zu schlagen. Er stieß das Fenster auf, hechtete in das Hexenhaus und rannte mit dem Jungen unterm Arm wieder hinaus. Und schon begannen sie zusammen reisaus zu nehmen.

Die Hexen aber schrien wütend, als sie bemerkten, daß der kleine Junge verschwunden war. Ein jede gab der andern die Schuld, den Rauch gemacht zu haben. Und schon schlugen sie aufeinander ein, bis ein jede tot war.

Der Hexenmeister aber zog mit dem Mädchen und dem kleinen Bub in ein fernes Dorf. Sie nannten das Blümchen, das ihnen so geholfen hatte, fortan "Erdrauch" und lebten glücklich zusammen, bis ans Ende ihrer Tage.