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Photomontage zur Literatur des Harzes

Wie die Dichter und Schriftsteller den Harz entdeckten und in die Literatur ein- brachten, darüber wollen wir Ihnen nun einen kurzen Überblick geben:

  J.W.v. Goethe
  H. Heine
  G.A. Bürger
  F.G. Klopstock
  H.C. Andersen
  Novalis
  H. Löns
  und andere


Die landschaftliche Schönheit und die Legenden des Harzes inspirierten neben der ereignisreichen Geschichte diese und andere Herren dazu, Sagen, Märchen, Lieder und erlebte Geschichten niederzuschreiben und so die Region weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu machen.

Goethes "Faust" und seine "Harzreise im Winter"

Einer der bekanntesten Harzreisenden war wohl Johann Wolfgang von Goethe, der dem sagenumwobenen Gebirge im Herzen Deutschlands gleich fünfmal in seinem Leben einen Besuch abstattete.

Mit seiner "Harzreise im Winter" fügte er ein Werk zur Weltliteratur in der Sparte der Reise- beschreibungen hinzu, welches nicht unmaß- geblich auch zur Be- kanntmachung des Mittelgebirges in aller Herren Länder beitrug.

J.W.v.Goethe
J.W.v.Goethe

Neben der "Harzreise im Winter" stellt der zweiteilige "Faust" ein ebenso beein-

 

druckendes Werk seiner schwungvollen Federführung dar. Einer alten Volkssage nach, läßt Goethe seinen Helden eine Nacht auf dem Brockengipfel in einem ausschweifenden Hexensabbat ver- bringen.
Der Brocken bildet seit jener Erzählung alljährlich den Treffpunkt für viele Schaulustige, Narren und Gaukler, die am 30. April (Walpurgis) dem Treiben der Hexen und Teufel beiwohnen möchten.

Aber nicht nur dies bewirkten die Werke Goethes, sondern manche sind sogar der Meinung, das Goethe durch seine Harzreisen zum Naturwissenschaftler wurde und uns auf die Entdeckungsreise zur Farbenlehre und den Zwischen- kieferknochen schickte.

etwa 50 Jahre später ...

...besuchte der junge Heinrich Heine den Harz und entdeckte in den Tiefen des Berges ein ganz eigenes Naturgefühl, das er in seiner "Harzreise" Revue passieren ließ:

"... Das Befahren der zwei vorzüglichsten Clausthaler-Gruben, der "Dorothea" und "Carolina", fand ich sehr interessant und ich muß ausführlich davon erzählen.

Ich war zuerst in die Carolina gestiegen. Das ist die schmutzigste und uner- freulichste Carolina, die ich jeh kennen- gelernt habe. Die Leitersprosen sind kotig naß. Und von einer Leiter zur andern geht`s hinab, und die Steiger voran, und dieser beteuert immer: es sei gar nicht gefährlich, nur müsse man sich mit den Händen fest an den Sprossen halten, und nicht nach den Füßen sehen, und nicht schwindlicht werden, ... wo, vor vierzehn Tagen ein unvorsichtiger Mensch hinuntergestürzt und leider den Hals gebrochen. ...

 

... immerwährendes Brausen und Sausen, unheimliche Maschinenbewegung, unterir- disches Quellengeriesel, von allen Seiten herabtriefendes Wasser, qualmig auf- steigende Erddünste, und das Grubenlicht immer hineinflimmernd in die einsame Nacht. ...

... Nach Luft schnappend stieg ich einige Dutzend Leitern wieder in die Höhe ... Bergleute mit ihren Grubenlichtern kamen allmählich in die Höhe und mit dem Gruße "Glückauf!" ... stiegen sie an uns vorüber; wie eine befreundet ruhige, und doch zugleich quälend rätselhafte Erinnerung, trafen mich, mit ihren tiefsinnig klaren Blicken, die ernstfrommen, etwas blasen, und vom Grubenlicht geheimnisvoll beleuchteten Gesichter ... die in ihren dunklen, einsamen Bergschachten den ganzen Tag gearbeitet hatten, und sich jetzt hinauf sehnten nach dem lieben Tageslicht, und nach den Augen von Weib und Kind. ..."

Gottfried August Bürger

Die Hauptgestalt der deutschen Sturm- und Drangzeit war wie Klopstock gebürtiger Harzer. Besonders durch seine antifeudale Dichtkunst in "Für wen, du deutsches Volk", "Der Raubgraf" oder "Der Bauer an seinen durchlauchtigsten Tyrannen", die Gespensterballade "Lenore" und die zum Volksbuch erko- renen Abenteuer des Baron Münch- hausen machten ihn unsterblich.
Wer mehr über ihn erfahren möchte, der kann die Entstehung der kleinen und lustigen Lügengeschichten im Museum in Molmerswende, seinem Geburtsort (1747), nachvollziehen.

 
F.G.Klopstock
F.G.Klopstock

Friedrich Gottlieb
Klopstock

Er galt neben Lessing und Wieland als Er- neuerer der Dichter- kunst   und  -würde  in

der Aufklärungszeit und als Mittler zwischen dem Barock und der Klassik.
Sein Geburtshaus befindet sich am Fuße des Quedlinburger Schlosses, in dem man 1974 zu seinem 250. Geburtstag ein Museum einrichtete. Neben dem "Mesias" und den "Oden" schrieb er das biblische Trauerspiel "Der Tod Adams" und das Prosawerk "Die deutsche Gelehrten- republik".

Andersen - der Märchenerzähler

Per Schiff kam Hans Christian Andersen 1831 von Kopenhagen nach Travemünde und reiste mit einer Postkutsche in den Harz.

Ähnlich wie Heine be- wanderte er das Ilsetal und besuchte die Kai- serpfalz in Goslar.
Natürlich durfte bei seinem Besuch auch ein Aufstieg zum Brocken nicht fehlen, von dem

H.C.Andersen
H.C.Andersen
 

er ausführlicher berichtete:

"Es war ein Gewitter im Anzuge, und die erste Salve rollte zwischen den Bergen hin, als ich den Flecken Ilsenburg betrat ...
Der Brocken war ganz in die große Gewitterwolke eingehüllt, die ihre Blitze zwischen die Fichten hinabschleuderte; dennoch beschloß ich, nachdem ich einige Stunden ausgeruht, den Berg zu besteigen."

Georg Friedrich von Hardenberg - der eigentliche Novalis

Novalis, der mit bürgerlichem Namen Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg hieß, hat sich mit der Veröffentlichung seiner Fragmenten- sammlung "Blütenstaub" am Ende des 18. Jhdts. einen festen Platz unter den Romantikern erkämpft.

Während seines Studiums in Freiburg unter den aufmerksamen und lehrenden Augen des Begründers der wissen- schaftlichen Mineralogie und Geologie, Abraham Gollob Werner, entdeckte er seine Liebe zum Bergbau und

 

den Mineralien. Dies schlug sich besonders in seinem fünften Kapitel des Romans "Heinrich von Ofterdingen" nieder, in dem die schönsten Bergmannslieder zu finden sind.

Man vermutet, daß Novalis auch der erste war, der das Wörtchen "romantisch" als Bezeichnung für den Harz benutzte. Bei seinem Besuch des Wernigeröder Schlosses bezeichnete er die Aussicht nicht nur als "reizend", sondern schlicht- weg auch als "romantisch".

Wem der beschwerliche Fußweg auf den Brocken erspart blieb ...

... der bekam keine hässlichen Blessuren oder Blasen an den Füßen.

Davon konnte auch Herrman Löns ein Lied singen.

Im Gegensatz zu all den anderen konnte  er nämlich schon auf den Komfort der Brocken- bahn zugreifen, die sich wild

H.Löns
H.Löns
 

schnaufend ihren Weg durch den urwüchsigen Harz bis hin auf die Spitze des höchsten Berges der Region bahnt.

Die Literatur verdankt ihm eine amüsante Schilderung dieser Fahrt. Aber auch in lustigen Tiergeschichten, wie beispiels- weise im "Mümmelmann" oder "Im Wald und auf der Heide", findet man den Harz wieder.

und andere Persönlichkeiten ...

Natürlich war das bei Weitem noch nicht alles.
Nicht vergessen werden darf zum Beispiel Joseph von Eichendorff, der 1805 als siebzehnjähriger den Brocken bestieg und in seinem Tagebuch vermerkte: "Mit trunkenem Entzücken genossen wir hier, an den Ruinen des alten Brockenhauses gelehnt, das himmlische, unbeschreibliche Panorama ...".

Neben ihm faszinierte der Harz auch Adalbert von Chamisso, der hier seine "blaue Blume der Romantik" erblühen lies.

J.W.Appel faszinierten in seinem Werk "Das Königreich Hannover" aus dem Jahre 1847 besonders die Sing- und Schneiß- vögel des Harzes. So mancher fing hier einen gefiederten Gefährten, der voller Inbrunst seiner kleinen Kehle ein schönes Lied entlockte. Harznachtigallen, Gimpel oder Seidenschwänze sind nur einige der Singvögel, die ihn mit ihrem Piepsen und Zwitschern das Herz erweichten.

 

Blickt man auf das letzte Jahrhundert zurück, dann erklingen klangvolle Namen, wie Johann Georg Kohl oder Julius Wolff, die ihre Gedanken im Angesicht der natürlichen Umgebung auf Papier brachten und Appetit beim Leser auf den Harz wecken.

Der wohl bekannteste aus den letzten Tagen ist mit Sicherheit Karl Baedecker, der seinem Reisehandbuch 1943 den Namen "Der Harz und sein Vorland" gab und mit ihm Tausenden von Menschen das nördlichste Mittelgebirge Deutschlands ein Stück näher brachte.

Das jüngste Werk (1991) stammt von Thomas Rosenlöcher und trägt den Titel "Die Wiederentdeckung des Gehens beim Wandern". Die Beschreibung des Wanderns gipfelt in satirischen Bemer- kungen über die eigentlichen Wander- freaks und den Verlust des Genusses beim "Spazieren" in Mutter Natur.